Karl Andreas Kochs Wanderungen
Teil 2
Karl Andreas Koch ist 1840 als unehelicher Sohn in dem Dorf Niederröblingen zur Welt gekommen. Später reiste er als Müllergeselle durch Deutschland. In Medingen bei Bevensen fand er eine Mühle, in der er blieb. Und er fand auch seine zukünftige Frau: Charlotte Dorothea Elisabeth Nolte. Das Wanderbuch des Müllergesellen und zwei Briefe, die ich hier veröffentliche, beschreiben sehr schön diese Zeit.
Briefe von Johann Franz Große an seinen Stiefsohn
Die beiden Briefe sind leider zum kleinen Teil nicht mehr entzifferbar. Beide sind laut Unterschrift und Grußformel vom Ehemann seiner Mutter Marie Rosine Große, geb. Koch, also vom Stiefvater Johann Franz Große verfasst. Allerdings unterscheiden sich die Schrift, die Rechtschreibung und die Form sehr. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass der erste Brief diktiert und von jemand anderem geschrieben wurde.
Niederröblingen, d. 12. Juli 1862
Zuerst meinen besten Dank für Dein Geschenk, womit Du uns sehr erfreut hast, denn es kam uns recht zu basse. Möge der liebe Gott Dich dafür Segnen und Dir Gesundheit schenken, daß ist unser aller herzlichster Wunsch. Du wirst wohl denken: Sie schreiben nicht und haben mich vergessen, aber im Gegenteil, Du bist uns immer gegenwärtig, denn es vergeht kein Tag wo Du nicht in Erwähnung kommst, denn Mirlichen butzt sich immer an und spricht: Nun gehe ich nach Mehdingen bei Karli.
Da Du nun seit den 2. März nichts wieder von Dir hast hören lassen so entschließen wir daraus, daß Du noch gesund und munter bist.
Neuigkeiten sind bei uns nich vorgekommen, also können wir Dir auch keine schreiben. Dein Kamerad Karl Gierd ist im April in die Fremde gegangen und den Freitag vor Fingsten war er schon wieder hier, und ist nun seit 14 Tagen zu Rohrbach in Arbeit neben den Schlefinger mit Hofmann Anton [unleserlich geschrieben]. Du mußt aber auch weißen daß die Rohrbacher Mühle verkauft ist und jetzt einen neuen Herrn hat. Fritz Wittenbacher und Willhelm Görike sind jetzt in Weimar als Soldaten. Wie steht es bei Dir mit der Ernte? bei uns ist es jetzt alles gut und sehen einer reichen Ernte entgegen, aber es ist noch vielen Gefahren unterworfen und müßen Gott bitten daß er uns das Geschenkte noch erhält denn uns sind hier und da viele Gegenden verhagelt [unleserlich geschrieben], denn wir haben seit Fingsten beinahe täglich Regen und starke Gewitter gehabt.
Die Birn- und Äpfelbäume in unserm Garten hängen ziemlich voll aber Zwetschen sehr wenig und aus den Gurken will es nicht viel werden weil es zu naß und zu kalt ist.
Du fragtest in Deinen letzten Brief ob sie Zusammenhang hätten und leserlich wären. Zusammenhang haben sie, auch sind sie leserlich wenn man weiß wie Du es meinst denn es fehlt mancher Buchstabe und immer vergißt Du das Wörtchen (ich).
Gefällt Dirs noch wie bisher in Medingen? noch hast Du uns nicht geschrieben wie der Fluß heißt an welchen die Medinger Mühle liegt und überhaupt ob Medingen eine Stadt oder ein Dorf ist.
Weiter weiß ich nichts zu schreiben.
Es grüßt Dich herzlich Deine liebe Mutter und Deine Dich liebenden Geschwister und hoffen dass Dich diese wenig Zeilen gut und wohl treffen, so wie sie uns Gott sei Dank verlassen. Um baldige Antwort bitte und mit Gruß und Kuß verbleibe ich Dein Dich liebender Vater
Franz Große
("Übersetzung" aus der alten deutschen Schrift: Joachim Voß)
Zweiter Brief
Niederröblingen d. 4.6.6.. [Datum nicht gut zu entziffern]
Lieber Sohn!
Eine größere Freude konntest Du uns nicht machen, als mit Deinem Bild, von das hatten wir uns nicht vermuthet, ich und Deine liebe Mutter wahren ganz allein als Dein Brief ankam und wir hatten uns noch nicht sat gesehen an Deinem E…. Minchen, … [nicht entzifferbar] freundliche Dorothe, so kamen auch Deine ganzen Geschwister, zuerst Minna als sie das Bild sah fragte sie, daß ist Karl ich kenne ihn! Aber Richart konnte sich nicht nur auf Dich besinnen auch Franz lachte herzlich als er Dich mit einem hibschen Mädchen am Arm erblickte. Auch Albert Kichter als er Dich sah sagte er, da ist ja der alte Karl! und zwar schon verlobt! Wie .ind [nicht entzifferbar] sie doch aus? wie Gannichen Gerkens .
Lieber Sohn! Von wegen Deiner Heirath wirten wir Dier nicht in wege stehen, wen es nicht zu weit von uns entfernt were, den das ist war: Es ist allendhalben gut …… …, [nicht entzifferbar] aber es giebt auch allerwertz gute u. ……… Menschen, darum ist es ein ganz Großes M…. von Dir, da Du noch so jung um Deine …. soweit von Dir entfernt den Du schreibst daß Du für immer in Medingen bleiben und Dich ver Heiraten willst. …. überlege wohl was Du duchert! Den wir kennen weder Deine liebe Dorothe, noch ihre Ältern.
Lieber Sohn! Da Du die Heirath noch 2 Jahre hin naus schieben …. so wird und …. sich noch einiges ändern, ….. ist unser aller Wunsch daß Du uns doch noch einmal besuchen …. u. das zur Kirm.. . Hirmit will ich schließen u. Dich herzlich grüßen von uns allen Dein Dich liebender …… F Große
("Übersetzung" aus der alten deutschen Schrift: Joachim Voß)





